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Wenn das Eis verschwindet

Drei Tage am Dachstein: Gemeinsam mit einem Wissenschaftler der Universität Graz erkundeten die Naturfreundejugend Bruck an der Mur und die Naturfreundejugend Steiermark Ende Juli 2026 den Hallstätter Gletscher – und erlebten Klimawandel und Forschung hautnah.

Text: Joshua Mark, Jugendreferent der Naturfreunde Steiermark, Fotos: Naturfreunde Bruck an der Mur

 

Die Naturfreundejugend Bruck an der Mur und die Naturfreundejugend Steiermark wollten mit einer Exkursion zum Hallstätter Gletscher jungen Menschen ein einmaliges Erlebnis ermöglichen und auch neue Gesichter für die Naturfreunde Steiermark gewinnen. Elf Jugendliche sind der Einladung gefolgt.

 

Experimente und neue Erkenntnisse

Schon bei der Auffahrt mit der Seilbahn auf den Krippenstein fällt der Blick auf das Ziel der kommenden Tage. Von der Station Gjaidalm geht es in rund zwei Stunden zu Fuß zum Wiesberghaus der Naturfreunde. Mit dabei ist Ass.-Prof. Priv.-Doz. Dr. paed. Philipp Spitzer, Leiter des Teams der Fachdidaktik für Chemie an der Universität Graz, der unterwegs immer wieder für kleine Experimente Halt macht: Wie schnell schmilzt Eis unter Druck? Was bewirkt Ruß auf einer weißen Oberfläche? Und welche Bedeutung hat der Schnee des vergangenen Winters für einen Gletscher?

Am Abend folgt in der Hütte die Theorie. Die Jugendlichen erfahren, wie man sich sicher auf einem Gletscher bewegt, welche Gefahren dort lauern und welche Ausrüstung notwendig ist. Sie bekommen auch einen Einblick in die Entstehung des Hallstätter Gletschers, die Geologie des Dachsteinmassivs und die dramatischen Veränderungen des Gletschers in den vergangenen Jahre.

 

Auf den Spuren des Gletscherschwunds

Am nächsten Morgen wird aus der Theorie Praxis. Nach rund eineinhalb Stunden Aufstieg geht es angeseilt und mit Steigeisen auf den Gletscher. Was am Vortag noch Gegenstand von Experimenten war, liegt nun unmittelbar unter den Füßen.

Der Hallstätter Gletscher ist der größte Gletscher der nördlichen Kalkalpen und wird seit 2006 vermessen. Damals umfasste er rund 152 Millionen Kubikmeter Eis, mehr als 56 Millionen davon sind inzwischen verschwunden. Seine Fläche ist von rund drei auf zwei Quadratkilometer geschrumpft. Forschende rechnen damit, dass der Gletscher in seiner heutigen Form bereits um 2030 verschwunden sein könnte.

Wie schnell die Veränderung voranschreitet, lässt sich vor Ort unmittelbar erkennen: Felsinseln ragen aus Flächen, die vor wenigen Jahren noch von Eis bedeckt waren, die Randzonen zerfallen, und die jahrtausendealte Verbindung zum Schladminger Gletscher besteht nur noch aus einem schmalen Eisband.

 

Jeder Tropfen zählt

Der Rückgang von Schnee und Eis hat auch unmittelbare Folgen für die Hütten am Dachstein. Das Karstgestein lässt Regen- und Schmelzwasser rasch versickern. Das Wiesberghaus verfügt über keine eigene Quelle und ist deshalb auf gesammeltes Regenwasser angewiesen. In den vergangenen 15 Jahren wurden die Speicherkapazitäten immer wieder erweitert. Doch besonders trockene Sommer stellen den Hüttenbetrieb zunehmend vor Herausforderungen. „Wasserknappheit hatten wir im Sommer eigentlich noch nie“, berichtet Hüttenwirtin Teresa Kritzinger. In diesem Jahr seien Regenschauer jedoch besonders selten gewesen. Bleiben auch künftig Niederschläge aus, wird konsequentes Wassersparen immer wichtiger.

Damit wurde auf der dreitägigen Exkursion sichtbar, was der Klimawandel im Alpenraum konkret bedeutet: schwindendes Eis, weniger natürliche Wasserspeicher und neue Herausforderungen für Mensch und Natur. Zum Abschluss ging es am dritten Tag zurück ins Tal – mit einem Abstecher in die Dachstein-Eishöhle und vielen Eindrücken im Gepäck.

Die Jugendlichen erkundeten den Hallstätter Gletscher und führten vor Ort verschiedene Experimente durch.
Weitere Informationen

Wiesberghaus

Das Wiesberghaus inmitten des Dachstein-Gebiets auf 1884 Metern ist eine sehr schöne, komfortable Hütte der Naturfreunde Oberösterreich. Im Winter ist das Wiesberghaus die optimale Basis für Schneeschuhwanderungen, Schitouren und verschiedenste Kurse. Die geräumige Hütte bietet 80 Schlafplätze und hat in der kommenden Wintersaison vom 30. Dezember 2026 bis 29. März 2027 geöffnet.

wiesberghaus.at

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