Der Vorsitzende der Naturfreunde Steiermark Dr. Jürgen Dumpelnik im Gespräch mit Hartwig Koller, Pächter der Naturfreunde-Hütte Hauser Kaiblingalm, über den Beruf des Hüttenpächters und aktuelle Herausforderungen.
Fotos: Michael Domian, Hartwig Koller
Welche Bedeutung haben bewirtschaftete Hütten für die alpine Infrastruktur und den Freizeitsport?
Dumpelnik: Bewirtschaftete Hütten bilden eine wesentliche Grundlage für den Tourismus und den Freizeitsport in Österreich. Unsere ehrenamtlichen Mitglieder betreuen Wege und Hütten, die Menschen das ganze Jahr über nutzen, um die Bergwelt zu erleben. Ohne diese Infrastruktur wäre Österreich als Wander- und Tourismusland um vieles ärmer. Deshalb sage ich oft, dass die alpinen Vereine die größten nicht gewerblichen Touristiker des Landes sind. Viele Hüttenbewirtschafter*innen sind sehr engagiert und arbeiten auch kulinarisch auf einem sehr hohen Niveau.
Koller: Bewirtschaftete Hütten wie die Kaiblingalm mit rund 30 Schlafplätzen sind wichtige Stützpunkte im alpinen Raum. Sie bieten Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung sowie Schutz bei Unfällen oder plötzlichen Wetterumschwüngen. Neben dem klassischen Wandern spielt im Sommer auch Mountainbiken eine große Rolle. Unsere Hütte ist ein wichtiger Treffpunkt für Sommer- und Wintergäste und fördert einen sicheren, familienfreundlichen Zugang zur Natur.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Naturfreunden und Hüttenpächterinnen und -pächtern?
Koller: Die Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Vertrauen und offener Kommunikation. Wichtig ist eine sichere, saubere und wirtschaftlich gut geführte Hütte, in der Gäste freundlich bewirtet werden und alpine Werte vermittelt bekommen. Hüttenpächterinnen und -pächter brauchen faire Pachtbedingungen, Unterstützung bei notwendigen Sanierungen und realistische Rahmenbedingungen für einen langfristig erfolgreichen Betrieb.
Dumpelnik: Die Zusammenarbeit mit unseren Hüttenpächterinnen und -pächtern funktioniert in den allermeisten Fällen sehr gut. Natürlich gibt es vereinzelt auch Herausforderungen. Aber insgesamt ist das Verhältnis von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Immer wieder zeigt sich jedoch, dass manche Menschen die Bewirtschaftung einer Hütte unterschätzen oder romantisieren. Neben den schönen Seiten bedeutet der Hüttenbetrieb vor allem viel Verantwortung und harte tägliche Arbeit. Umso wichtiger ist es für uns, die Pächterinnen und Pächter bestmöglich zu unterstützen und gemeinsam die alpine Infrastruktur langfristig zu erhalten.
Mit welchen Herausforderungen sind Hüttenpächterinnen und -pächter derzeit besonders konfrontiert?
Dumpelnik: Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Moderne Hüttenbetriebe unterscheiden sich in vielen Bereichen kaum noch von Gastronomiebetrieben im Tal – sie arbeiten allerdings unter wesentlich schwierigeren Rahmenbedingungen, die von Kostendruck, Personalmangel, steigenden Erwartungen der Gäste und körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten geprägt sind. Dazu kommt, dass Hütten oft exponiert liegen. Darüber hinaus verursachen vor allem im alpinen Bereich umfangreiche behördliche Auflagen einen enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Die Belastung für Pächterinnen und Pächter sowie alpine Vereine ist also im Lauf der Jahre deutlich gestiegen.
Koller: Hüttenpächterinnen und -pächter stehen vor mehreren Herausforderungen: Sie sind mit einer großen Wetterabhängigkeit, Personalmangel und weiterhin steigenden Kosten konfrontiert. Die Bewirtschaftung einer Hütte bedeutet auch körperlichen Einsatz, lange Arbeitstage sowie wirtschaftliche und bürokratische Anforderungen. Diese Faktoren machen den Hüttenbetrieb zunehmend komplex.
Wird es in Zukunft schwieriger werden, Menschen für diese Aufgabe zu gewinnen?
Koller: Ja, ich glaube schon. Viele unterschätzen den Arbeitsaufwand und die Vielseitigkeit des Berufs. Hüttenwirt zu sein hat nichts mit einem Urlaub in den Bergen zu tun. Neben Gastronomie, Organisation, Technik und Personalführung kommen heute neue Aufgabenbereiche wie Social-Media-Werbung und Onlinekommunikation hinzu. 70- bis 80-Stunden-Wochen sind keine Seltenheit. Auch Logistik, Versorgung und die eingeschränkte Erreichbarkeit stellen zusätzliche Herausforderungen dar. Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen oder Schneefälle können zudem kurzfristig alle Abläufe verändern und erfordern viel Flexibilität.
Dumpelnik: Der Beruf der Hüttenpächterin oder des Hüttenpächters war immer schon mit großen Herausforderungen verbunden und ist heute vielseitiger denn je. Neben der klassischen Gastronomie muss man viel organisieren und sich um die Bereiche Objektbetreuung, Personalführung, Logistik und digitale Kommunikation kümmern. Wer eine Hütte bewirtschaftet, braucht daher viel Engagement, Leidenschaft und echtes Herzblut. Wichtig ist, dass die Arbeit von Hüttenpächterinnen und -pächtern auch die gesellschaftliche Anerkennung bekommt, die sie verdient, denn Hüttenpächterinnen und -pächter leisten einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unserer alpinen Infrastruktur.
Weitere Infos: kaiblingalm.naturfreunde.at