Der Mornellregenpfeifer zählt zu den seltensten Brutvögeln Österreichs. In den heimischen Alpen findet der außergewöhnliche Wasservogel einen seiner wenigen mitteleuropäischen Brutplätze.
Text: Mag. Dr. Ernst Albegger, Fotos: E. Albegger, O. Samwald
Der Mornellregenpfeifer ist ein Wasservogel, der in Tundren und Gebirgslandschaften brütet - von Großbritannien und Skandinavien bis nach Ostsibirien (Russland). Kleine Vorkommen bestehen auch in den Alpen, hier vor allem in den östlichen Zentralalpen Österreichs. Beim Mornellregenpfeifer handelt sich um einen der seltensten Brutvögel Österreichs mit nur wenigen Paaren, wobei durch jahrzehntelange Forschungen (federführend Erich Hable [†] etwa von 1960 bis 2000, Ernst Albegger seit 2003) ein sehr guter Überblick über die Bestandsentwicklung besteht. Der Mornellregenpfeifer ist ein Zugvogel und tritt in Österreich alljährlich in geringer Zahl auf. Mornellregenpfeifer, die in Europa brüten, überwintern vorwiegend in Nordafrika.
Aussehen, Verhalten und Lebensraum
Der Mornellregenpfeifer ist ein gut amselgroßer, kompakt gebauter Watvogel mit langen Beinen, die ihm auch am Boden ein schnelles Fortbewegen ermöglichen. Im Flug zeigt er lange, spitze Flügel. Die Art ist im Frühjahr im Prachtkleid sehr auffällig gefärbt (siehe Abb. 1). Die Jungvögel sind unauffälliger gezeichnet (siehe Abb. 2). Die Art zeigt oft eine geringe Scheu vor dem Menschen, die eine Annäherung auf wenige Meter ermöglicht. Die Mornellregenpfeifer brüten in der alpinen Stufe auf sanft geneigten Hängen und weiträumigen Bergrücken sowie Plateaus in 2000 bis 2800 Metern Höhe.
Jahreszeitliches und räumliches Auftreten
Der Frühjahrsdurchzug kann bereits im März einsetzen, findet seinen Höhepunkt zum Monatswechsel April/Mai und reicht bis Anfang Juni. Die Brutvögel halten sich von Ende Mai bis Anfang August in den Brutgebieten auf. Der Herbstzug ist deutlich auffälliger. Er setzt frühestens Anfang August ein und erreicht zum Monatswechsel August/September seinen Höhepunkt. Er bleibt danach noch bis Mitte September stark, verliert aber in weiterer Folge rasch an Intensität und ist bis 15. Oktober weitgehend abgeschlossen.
Mornellregenpfeifer ziehen in breiter Front über Österreich und nutzen dabei sehr gerne dem Bruthabitat topografisch entsprechende Bergkuppen zur Rast. Praktisch jährlich genutzte, für Beobachter leicht erreichbare Rastplätze in der Steiermark sind etwa der Hochwechsel und das Stuhleck.
Sichtungen bitte melden!
Beobachtungen sollten bitte möglichst zeitnah dem Autor gemeldet werden (siehe Kontaktdaten), wobei Fotos immer wünschenswert sind. Diese lassen sich oft gut mit dem Mobiltelefon anfertigen. Als wesentlicher Grundsatz gilt aber immer: Das Wohl des Vogels geht vor!
Weiterführende Informationen über den Mornellregenpfeifer sowie zur gesamten Vogelwelt der Steiermark finden sich im 800-seitigen Buch „Avifauna Steiermark – Die Vögel der Steiermark“, erhältlich bei BirdLife Steiermark (E-Mail: avifauna@club300.at) zum Preis von 69 Euro zzgl. Versandkosten.
Kontakt: Mag. Dr. Ernst Albegger, Pfeifferhofweg 31, 8045 Graz, E-Mail: ealbegger@hotmail.com