Der vierfache Paraclimbing-Weltmeister Angelino Zeller im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Naturfreunde Steiermark Dr. Jürgen Dumpelnik über sportliche Leistungen, Herausforderungen der Inklusion und die Stärke der Gemeinschaft.
Fotos: Michael Domian, Heiko Wilhelm, David Schickengruber
Das steirische Paraclimbing-Team hat 2025 erneut eine äußerst erfolgreiche Saison erlebt. Welche Bedeutung haben diese Erfolge – sportlich, aber auch menschlich?
Zeller: Es ist ein großartiges Gefühl und zugleich eine schöne Bestätigung für das, was wir tun – und dass wir es gut machen. Besonders freut mich, dass die Steiermark im Paraclimbing so stark vertreten ist. Diese Erfolge bringen Aufmerksamkeit, heben den Sport auf ein neues Podest und machen es leichter, Unterstützung zu bekommen. Für mich persönlich bedeutet es viel, diesen Sport auch als Beruf ausüben zu dürfen – mit Freude, Leidenschaft und auf internationalem Niveau.
Dumpelnik: Für uns Naturfreunde sind diese Erfolge ein klares Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unser Ziel ist es, allen Menschen Naturerlebnisse, Bewegung und Gemeinschaft zu ermöglichen – unabhängig von ihren körperlichen Voraussetzungen. Wenn unsere Paraclimber*innen sportliche Spitzenleistungen erbringen, ist das nicht nur sportlich beeindruckend, sondern auch menschlich berührend. Es zeigt, wie stark Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wirken können.
Wie wird Inklusion im Klettersport gelebt, und was ist nötig, damit Menschen mit Behinderung Teil der Bewegungskultur werden können?
Dumpelnik: Inklusion bedeutet für mich, dass Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Wenn alle Menschen die gleichen Zugänge und Chancen haben, wird Teilhabe selbstverständlich – und daraus entsteht ein gelebtes Miteinander. Dafür braucht es Bewusstsein, Offenheit und Strukturen, die Barrieren abbauen. Klettern ist dafür ein ideales Beispiel, weil es Vertrauen, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung erfordert – das verbindet automatisch.
Zeller: Es gibt mittlerweile viele Initiativen, die Klettern für alle zugänglich machen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Alle Klettern“, bei dem speziell ausgebildete Trainer*innen Kletterangebote für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung anbieten. Dort sieht man, wie vielfältig Klettern sein kann und dass körperliche oder geistige Einschränkungen kein Hindernis darstellen. Entscheidend ist, dass wir diese Angebote noch sichtbarer machen und Menschen ermutigen, sie einfach auszuprobieren.
Welche Herausforderungen bestehen dabei, und wie können Vereine und Verbände bestmöglich unterstützen?
Dumpelnik: Die größte Herausforderung liegt darin, dass Inklusion noch keine Selbstverständlichkeit ist. Inklusion beginnt mit Information und endet bei der praktischen Umsetzung – bei der Teilhabe ebenso wie bei der Unterstützung im Alltag. Genau hier spielen Vereine eine wichtige Rolle. In einer Gemeinschaft lassen sich Hürden leichter überwinden. Die Naturfreunde stehen dafür, dass alle Menschen gleichberechtigt an unseren Aktivitäten teilnehmen können – und das gelingt nur, wenn man gemeinsam denkt und handelt.
Zeller: Viele wissen gar nicht, dass es inklusive Kletterangebote gibt. Manche trauen sich das Klettern auch nicht zu oder hatten bisher keinen Kontakt zu diesem Sport. Deshalb ist es wichtig, niederschwellige Möglichkeiten zu schaffen – etwa mit Schnupperkursen in Kletterhallen. Und natürlich braucht es auch Unterstützung durch Förderstellen und Verbände, um Trainer*innen ausbilden und den Zugang erleichtern zu können. Klettern ist ein ideales Beispiel dafür, wie Inklusion im Sport wirklich funktionieren kann.
Inwiefern können Paraclimber*innen als Vorbilder wirken und mehr Menschen mit Behinderung für den Klettersport begeistern?
Zeller: Wenn meine Erfolge oder Projekte andere Menschen inspirieren, freut mich das besonders. Oft erzählen mir Leute, dass sie durch unsere Wettkämpfe oder Medienberichte den Mut gefunden haben, selbst mit dem Klettern zu beginnen. Es ist unglaublich zu sehen, wie jemand, der sich das nie zugetraut hat, plötzlich eine Wand bezwingt. Solche Momente zeigen, dass alles möglich ist, wenn man an sich glaubt. Das motiviert mich enorm.
Dumpelnik: Wer einmal gesehen hat, mit welcher Leidenschaft und Kraft unsere Paraclimber*innen unterwegs sind, versteht sofort, was Motivation bedeutet. Diese Leistungen wirken weit über den Sport hinaus – sie inspirieren, begeistern und verbinden. Für mich sind sie Vorbilder für die gesamte Gesellschaft, weil sie zeigen, was mit Teamgeist, Mut und Begeisterung möglich ist. Und für dieses Engagement und diese Vorbildwirkung möchte ich mich ausdrücklich bedanken.