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Fotografie als Gedankenspiel

In einem spannenden Workshop mit Wolfram Orthacker entdeckten die Naturfreunde-Fotogruppen Bruck an der Mur, Leoben und Knittelfeld neue Wege des Sehens – von kreativen Gedankenspielen bis zur Gestaltung eines eigenen Fotobuchs.

Text: Norbert Mandl, Leiter der Fotogruppe der Naturfreunde Bruck an der Mur, Wolfram Orthacker, Foto: Heinz Feyerer

 

Dem Fotoreferenten der Naturfreunde Steiermark Franz Gigerl gelang es, einen der renommiertesten Experten auf dem Gebiet der künstlerischen Fotografie für einen Workshop zu gewinnen. Unter dem Titel „Subjektive: digitale Fotografie – Gedankenspiele: Fotografie“ leitete Wolfram Orthacker eine intensive Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie – als künstlerisches Ausdrucksmittel, als Denkanstoß und als Spiegel der eigenen Wahrnehmung.

 

Mehr als nur ein Abbild

Im Zentrum des Workshops stand die Frage, was Fotografie heute leisten kann – und soll. Mit der digitalen Technik haben sich die Möglichkeiten der Bildgestaltung vervielfacht. Doch anstatt auf Effekte und Technik zu setzen, lud Orthacker dazu ein, das eigene Sehen und Denken in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Bild entsteht nicht allein durch die Kamera, sondern durch Bewusstsein, Vorstellungskraft und Entscheidung. Die Fotografie wird so zu einer Sprache, mit der nicht die Wirklichkeit beschrieben, sondern eine persönliche Sichtweise erzählt wird.

 

Kreatives Denken statt technischer Perfektion

In sieben aufeinander aufbauenden Einheiten erarbeiteten die Teilnehmer Schritt für Schritt ihre individuellen Themen. Dabei ging es weniger um technische Präzision als um das Entwickeln von Ideen und Konzepten. Licht, Farbe, Bewegung, Schärfe und Unschärfe dienten als Werkzeuge, um emotionale und gedankliche Räume zu öffnen.

Orthacker betonte die Freiheit, die in der heutigen Fotografie liegt: Sie kann dokumentieren, deuten, verfremden oder poetisch erzählen – und bleibt dennoch immer Ausdruck einer inneren Haltung. So wurde der Workshop zu einem Labor des Sehens: die Kamera als Werkzeug, die Vorstellungskraft als Motor und das bewusste Gestalten als Kern der fotografischen Arbeit.

 

Vom Gedanken zum Buch

Ziel des Workshops war es, aus dieser intensiven Auseinandersetzung ein eigenes Fotobuchprojekt zu entwickeln. Jeder wählte ein persönliches Thema und gestaltete über mehrere Wochen hinweg eine eigenständige Arbeit – von der Bildidee bis zur fertigen Sequenz.

Die Fotobücher wurden jedoch nicht als Sammlungen schöner Aufnahmen verstanden, sondern als visuelle Erzählungen, in denen Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen in eine Form gebracht werden. Durch begleitende Diskussionen, gemeinsame Analysen und individuelle Aufgabenstellungen entstand eine Vielfalt an Zugängen – von abstrakten Bildfolgen bis zu stillen, introspektiven Serien.

Am 3. September 2025 wurden die Ergebnisse im Clublokal der Naturfreunde-Fotogruppe Bruck präsentiert. Die Werke zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich das Medium Fotografie begreifen lässt – als Spiel, als Experiment, als Ausdruck der eigenen Wahrnehmung. Der Workshop machte deutlich, dass Fotografie weit mehr ist als das Festhalten von Momenten. Sie kann Denken sichtbar machen, Emotionen auslösen und den Blick auf die Welt verändern.

Experimentelles Sehen und freies Gestalten: Im Fotoworkshop entstanden Fotobücher voller Ideen, Emotionen und persönlicher Perspektiven.
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