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Ein solides Fundament für die Zukunft

Anlässlich der bevorstehenden Landeskonferenz Ende April 2026 zieht Dr. Jürgen Dumpelnik, Vorsitzender der Naturfreunde Steiermark, Bilanz über das bisher Geleistete und skizziert die Ziele für die kommenden Jahre.

Fotos: Michael Domian

 

Seit deinem ersten Antritt als Landesvorsitzender hat sich bei den Naturfreunden Steiermark viel getan. Welche Veränderungen innerhalb der Organisation sind für dich am deutlichsten spürbar?

Als ich 2011 Verantwortung übernehmen durfte, befand sich die Organisation in einer deutlichen finanziellen Schieflage. Der erste große Meilenstein war daher die Budgetsanierung. Innerhalb von weniger als zwei Jahren gelang der Turnaround hin zu einer operativen Null. Seither hat sich das Ergebnis kontinuierlich verbessert. Heute stehen die Naturfreunde Steiermark wirtschaftlich stabil da und können strategisch agieren.

Wesentlich dafür war die Professionalisierung unserer Strukturen. Mit der Gründung einer Verwaltungs-GmbH haben wir alle wirtschaftlichen Beteiligungen gebündelt und damit eine klare, moderne Steuerung geschaffen. Gleichzeitig wurde die Geschäftsstelle neu aufgestellt. Besonders wichtig war mir, die Landesorganisation als Dienstleistungseinrichtung für die Ortsgruppen zu definieren. Denn dort findet die eigentliche inhaltliche Arbeit statt. Unsere Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Ortsgruppen optimal arbeiten können.

Darüber hinaus haben wir die Sitzungskultur modernisiert, neue Austauschformate etabliert, den Außenauftritt professionalisiert und unsere politische Kampagnenfähigkeit gestärkt. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir unsere alpine Infrastruktur sichern und weiterentwickeln konnten. Wir verlieren keine Standorte mehr, sondern investieren und professionalisieren – damit kommende Generationen mindestens dieselbe, wenn nicht eine bessere Qualität vorfinden.

 

Welche inhaltlichen Schwerpunkte haben die vergangenen Jahre geprägt?

Ein zentrales Thema war die Öffnung der Forststraßen für Mountainbikerinnen und -biker. Die Diskussion war kontrovers, weil unterschiedliche Interessen aufeinandertrafen. Umso wichtiger war es, tragfähige Lösungen zu finden. Heute arbeiten wir mit der Land- und Forstwirtschaft, der Jägerschaft sowie Grundeigentümerinnen und -eigentümern in gutem Einvernehmen zusammen – mit gegenseitigem Verständnis für die jeweiligen Anliegen.

Ebenso zentral ist für uns das freie Wegerecht. Über viele Jahre konnten wir Konflikte einvernehmlich lösen. In einem Fall im Bezirk Weiz mussten wir jedoch unlängst erstmals in unserer Geschichte klagen. Das Gericht gab uns Recht, der gesperrte Weg musste  geöffnet werden. Unser Ziel bleibt der Konsens, aber wir verteidigen das Wegerecht notfalls auch juristisch.

Ein echtes Herzensprojekt ist die Inklusion. Ausgehend von einer „Licht-ins-Dunkel“-Förderung haben wir Inklusion breit in der Organisation verankert. Sie ist heute gelebte Selbstverständlichkeit. Ein Meilenstein ist das inklusive Kompetenzzentrum, das derzeit im Roseggerschutzhaus auf der Pretul entsteht - ein österreichweit einzigartiges, voll inklusives alpines Seminarzentrum mit Schwerpunkt erneuerbare Energie. Ein starkes Zukunftsprojekt!

 

Gibt es Projekte, auf die du besonders stolz bist?

Die Bandbreite ist groß: von der wirtschaftlichen Stabilisierung über die Inklusion bis hin zur Weiterentwicklung unserer Infrastruktur. Auch Formate wie der Neujahrsempfang und die erfolgreiche Mountainbike-Initiative zählen dazu. Besonders wichtig ist mir aber, dass wir die Naturfreunde Steiermark als gesellschaftlich relevante Organisation positionieren konnten. Unsere Anliegen – und damit jene unserer Mitglieder – werden gehört.

 

Was sind derzeit die größten Herausforderungen?

Wir sind eine ehrenamtliche Organisation, und damit stehen die Menschen im Mittelpunkt. Es gilt, sowohl attraktive Angebote für die Mitglieder zu schaffen als auch engagierte Funktionärinnen und Funktionäre zu gewinnen. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft ist Zugehörigkeit kein Selbstläufer mehr. Mitgliederbindung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sind tägliche Herausforderungen. Wir müssen vermitteln, dass eine Mitgliedschaft bei den Naturfreunden nicht nur ideell wertvoll ist, sondern auch konkret etwas bewirkt. Ebenso wollen wir zeigen, dass ehrenamtliches Engagement keine Mühsal, sondern gesellschaftlich bedeutend und persönlich bereichernd ist.

 

Welche Ziele stehen für die kommenden Jahre im Fokus?

Zwei Bereiche sind zentral: Infrastruktur und Organisation. Dort, wo alpine Infrastruktur vorhanden ist, entsteht Attraktivität. Beispiele sind die Kletterhalle Fürstenfeld und das Roseggerschutzhaus. Weitere Projekte – etwa im Boulder-Bereich – sind in Vorbereitung. Auch bestehende Anlagen wie die Tennisanlage am Tivoli in Leoben wollen wir erhalten.

Darüber hinaus müssen wir unsere Strukturen laufend evaluieren: Was funktioniert gut? Wo braucht es Anpassungen? Wie stärken wir Ortsgruppen und sichern ehrenamtliches Engagement? Nur auf einer stabilen Basis können Visionen wachsen. Wenn Fundament und Rahmenbedingungen stimmen, entsteht jener Raum, in dem Menschen sich engagieren und die Naturfreunde mit Leben erfüllen.

Dr. Jürgen Dumpelnik spricht über Erfolge, Herausforderungen und Zukunftspläne.
Der Neujahrsempfang bietet eine gute Gelegenheit für Rückschau, Austausch und den gemeinsamen Blick auf kommende Projekte.
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